Rückblick auf den Fachtag 2025:

„Perspektivwechsel – Männliche Betroffene sexualisierter Gewalt im Fokus“*

Am 8. September 2025 fand im Wiesbadener Rathaus der Fachtag „Perspektivwechsel – männliche* Betroffene sexualisierter Gewalt im Fokus“ statt. Rund 120 Fachkräfte aus Jugendhilfe, Beratung, Bildung und Therapie konnten die beiden Geschäftsführerinnen Anika Nagel und Jaqueline Ruben begrüßen, denn sie folgten unserer Einladung, um sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, das in der Fachpraxis bislang häufig noch unterrepräsentiert ist: sexualisierte Gewalt an Jungen und Männern.

Stadträtin und Dezernentin für Soziales, Bildung und Wohnen Fr. Dr. Becher freute sich ebenfalls über das rege Interesse und wünschte in Ihrem Grußwort dem Fachtag einen guten Verlauf.

Erster Programmpunkt war die Vorstellung der im Aufbau befindlichen Beratungsstelle für männliche Betroffene* bei Wildwasser Wiesbaden. Clara Paulus und Samuel Katzenbach gaben Einblicke in den aktuellen Stand und die geplanten Angebote. Interaktiv zogen sie das Fachpublikum mit ein, in dem sie über eine mentimeter-Abfrage eine Wortwolke zu Assoziationen zu männlicher* Betroffenheit live entstehen ließen.

Ein zentraler Moment des Tages war der bewegende Erfahrungsbericht von Jonathan Drefs (EndThe Silence), der selbst sexualisierte Gewalt erlebt hat. Offen und eindrucksvoll schilderte er seinen persönlichen Weg und berichtete den anwesenden Fachkräften auch, was für ihn hilfreich und unterstützend war. Sein Beitrag wurde von den Teilnehmenden und den nachfolgenden Referent*innen als besonders Mut machend wahrgenommen – und als wichtiger Impuls für eine fachlich wie gesellschaftlich dringend notwendige Auseinandersetzung mit dem Thema. Unser Fachtag, insbesondere der Beitrag aus Betroffenenperspektive, wurde auch von einem Kamerateam begleitet. https://www.1730live.de/2025/09/10/betroffener-berichtet-von-sexualisierter-gewalt/

Rund eineinhalb Jahre nachdem wir gemeinsam die Kick Off Veranstaltung im Rathaus gemeinsam begangen haben, konnten wir auch Julius Wolf, Betroffener, Betroffenenvertreter, Sozialarbeiter, Künstler und Mitarbeiter von faX Kassel als Referent begrüßen. Die große Besonderheit seines Vortrags war, dass er Täter*innenstrategien aus Betroffenensicht darstellen konnte.

Abgerundet hat den Vormittag Jens Ihnen, Leiter der Beratungsstelle Anstoß in Hannover mit dem Thema „schwierige Umstände im Kinderschutz. Umgang, Sorgerecht und Instrumentalisierungsvorwürfe bei Verdacht auf sexualisierte Gewalt an Jungen“.

Noch vor der Mittagspause gab Wildwasser Wiesbaden eine Innovation bekannt: Wir sind nun auch auf Instagram und erweitern damit unser Spektrum der Öffentlichkeitsarbeit.
https://www.instagram.com/wildwasserwiesbaden/

Im Anschluss an die Vorträge konnten die Teilnehmenden in vier unterschiedlichen Workshops ihr Wissen vertiefen und sich mit Kolleg*innen austauschen. Die Themen reichten von der Rolle von Männlichkeitsbildern in der Trauma-Bewältigung über diversitätssensible Prävention bis hin zur Arbeit mit betroffenen Jungen anhand von Fallbeispielen. Auch patriarchalkritische Perspektiven in der Jungenarbeit wurden diskutiert. Die Workshops boten nicht nur fundierte fachliche Impulse, sondern auch Raum für Reflexion und Vernetzung.

Begleitet wurde der gesamte Fachtag durch herausragende Grafic Recordings von Ka Schmitz (https://ka-schmitz.de), die- live und in Echtzeit zuhörte und eindrückliche Grafiken entstehen ließ.

Der Fachtag war ein voller Erfolg – sowohl inhaltlich als auch atmosphärisch. Viele Teilnehmende äußerten in der abschließenden Reflexion ihren Wunsch nach einer regelmäßigen Weiterführung des Diskurses und weiteren Veranstaltungen zu diesem Thema. Alle Handouts, Präsentationen, die Grafic Recordings, Links und Literaturempfehlungen wurden den Teilnehmer*innen über ein padlet zur Verfügung gestellt.

Wildwasser Wiesbaden bedankt sich herzlich bei allen Mitwirkenden, Teilnehmenden und Kooperationspartner*innen für das große Interesse, die Offenheit und den wertschätzenden Austausch.

Dieser Fachtag konnte nur stattfinden dank zahlreicher Unterstützer*innen. Wir danken sehr herzlich:

  • dem Dezernat VI, Soziales, Bildung und Wohnen
  • der Naspa Stiftung
  • der LSBTI*Q-Koordinierungsstelle
  • den Ortsbeiräten Südost, Rheingauviertel/Hollerborn, Westend, Dotzheim, Schierstein
  • und dem Kompetenzzentrum Baumanagement Wiesbaden der Bundeswehr

Weil Betroffene aller Geschlechter Aufmerksamkeit, Schutz und Unterstützung verdienen – und weil Perspektivwechsel der Anfang von Veränderung ist.

Willkommmen
Gruppenbild
Impuls Betroffenenperspektive
Vortrag Anika Nagel u. Jaqueline Ruben
Vortrag Jens Ihnen
Vortrag Julius Wolf
Workshop 1
Workshop 2
Workshop 3
Workshop 4